Pressemitteilung des BSI (Orginaltext, ungekürzt)

Spirituosenbranche erwartet wirtschaftliche Perspektiven - Spirituosenkonsum: 2010 stabil

Aufgrund der positiven Aufwärtstendenzen der deutschen Wirtschaft seit Mitte 2010 und der damit verbundenen optimistischeren Konsumentenstimmung zeigte sich auch die Spirituosenbranche im Jahr 2010 stabil:  Mit rund 691 Millionen Flaschen à 0,7 Liter lag der Gesamtmarkt im Jahr 2010 auf Vorjahresniveau und ist somit der weiterhin Größte innerhalb der Europäischen Union. Der Pro-Kopf-Konsum lag mit 5,4 Liter im Jahr 2010 ebenfalls auf dem Vorjahresniveau bei einer Käuferreichweite für Spirituosen in Höhe von 67 Prozent. Das heißt, dass 67 Prozent aller Haushalte in Deutschland im Jahr 2010 mindestens einmal Spirituosen einkauften. 

„Die deutschen Importeure und Hersteller von Spirituosen blicken auf ein Jahr 2010 zurück, in welchem – entgegen den weltweiten Trends – das Vertrauen der Verbraucher in Deutschland erneut angestiegen ist. Dies führte zu einer Belebung der Binnennachfrage.  Von den zusätzlichen positiven Außenhandelsaktivitäten konnte auch die Spirituosenbranche – wie die gesamte Lebensmittelbranche – in Deutschland partizipieren“, erklärt BSI-Präsident Dr. Erlfried Baatz zu den Marktgegebenheiten. 
 
Nach Analysen der Marktforschung (SymphonyIRI Group GmbH) stieg der Absatz an Spirituosen im LEH (inkl. Drog.-Märkte) mit rund 551 Millionen Flaschen à 0,7 Liter um rund 1 Million Flaschen (bzw. um 0,2 Prozent) mengenmäßig und um 1,4 Prozent wertmäßig. Über 80 Prozent des Gesamtabsatzes mit Spirituosen wurden 2010 über den LEH (inkl. Drog.-Märkte) abgesetzt. 
 
Auch im Jahr 2010 setzte sich die unterschiedliche Entwicklung bei den Segmenten für Spirituosen fort: Die größten Marktanteile verbuchten mengenmäßig weiterhin die Warengruppen „Klare Spirituosen“ (38,9 Prozent) sowie Liköre (27,1 Prozent) und Weinbrände/Cognac (13,7 Prozent). Zu den Gewinnern zählten 2010 – nach Analyse der vorgenannten Marktforschung – u. a. weiterhin: Rum, Whisk(e)ys, Wodka, Liköre, Obstbrände, Amaretto, Ouzo, etc. Das Umsatzvolumen lag im Jahr 2010  bei rund 3,8 Milliarden Euro im LEH (inkl. Drog.- Märkte). 
 
Im Jahr 2010 umfassten die Spirituosenimporte 423 Millionen Flaschen à 0,7 Liter (+10,4 Prozent) – nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes. Dieses entspricht einer  Erhöhung im entsprechenden Vorjahresvergleich um 40 Millionen Flaschen. Im Zeitraum der letzten zehn Jahre stiegen die Importe um 114 Millionen Flaschen bzw. um 36,9 Prozent. Bezogen auf den Gesamtmarkt an Spirituosen entfällt auf Importspirituosen gut die  Hälfte. Wichtigste Importländer waren: die USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Griechenland, Mexiko, die Niederlande, Irland, Spanien und Russland. 
 
Die Spirituosenexporte betrugen im Jahr 2010 – nach vorläufigen Ergebnissen des Statistisches Bundesamtes – rund 239 Millionen Flaschen à 0,7 Liter. Dieses entspricht einer Erhöhung im entsprechenden Vorjahresvergleich um 27 Millionen Flaschen bzw. um 12,7 Prozent und einer Erhöhung in den letzten zehn Jahren um 112 Millionen Flaschen bzw. um 88,2 Prozent. Zu den wichtigsten Ausfuhrländern zählten 2010 u. a.: die USA, Großbritannien, die Niederlande, Frankreich, Belgien, Schweiz, Österreich, Dänemark, Russland und Spanien. 
 
Das Gesamtmarktangebot (Produktion + Import – Export) erhöhte sich – nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes und Schätzungen des BSI – im Jahr 2010 (im entsprechenden Vorjahresvergleich) um 1 Million Flaschen à 0,7 Liter bzw. um 0,1 Prozent. 
 
Die gesamte Spirituosenbranche inklusive Importeure zeigte eine relativ stabile Umsatzentwicklung im Jahr 2010 mit rund 4,5 Milliarden Euro – davon sind rund 2 Milliarden Euro an Branntweinsteuern enthalten. 
 
Der Konsum pro Kopf an Spirituosen lag im Jahr 2010 bei rund 5,4 Litern Fertigware (Quelle: offizielle Zahl des  ifo Instituts für Wirtschaftsforschung e. V.) und stagnierte damit auf dem Vorjahresniveau. 
 
Im internationalen Vergleich des Pro-Kopf-Konsums mit Spirituosen belegte Deutschland im Jahr 2009 Platz 41 – unter anderem nach Südkorea, der Russischen Föderation, Estland, Bulgarien, Litauen, Japan, Rumänien, Ukraine, etc. – gemäß den Analysen der International Wine & Spirits Record (IWSR and The IWSR Drinks Record), London/Großbritannien. 
 
Der Verbrauch pro Kopf aller alkoholhaltigen Getränke (Bier, Wein, Sekt und Spirituosen) betrug im Jahr 2010 136,9 Liter pro Kopf und sank damit im entsprechenden Vorjahresvergleich um  2,3 Liter bzw. um 1,7 Prozent. 
 
In Bezug auf das gesamte Aufkommen 2010 der spezifischen Verbrauchsteuern für alkoholhaltige Getränke (Bier, Wein, Sekt, Spirituosen und spirituosenhaltige Mischgetränke sowie Zwischenerzeugnisse) in Höhe von 3.148,2 Millionen Euro entfiel mit der Branntweinsteuer (2010: 1.990,3 Millionen Euro) ein Anteil von 63,2 Prozent auf Spirituosen – wohingegen der Pro-Kopf-Konsum an Spirituosen – bezogen auf alle alkoholhaltigen Getränke 2010 – bei nur rund 3,9 Prozent lag. 
 
Die Mitarbeiter- und Betriebsstruktur in der Spirituosenbranche ist seit Jahrzehnten durch Konzentration gekennzeichnet. Im  Jahr 2010 waren in der Spirituosenbranche in Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten 2.961 Mitarbeiter (-94 Mitarbeiter/-3,1 Prozent) in 50 Betrieben  (ohne Veränderung zum Vorjahr) beschäftigt (Quelle: Angaben des Statistischen Bundesamtes). 
 
Ausgehend von der Situation der wirtschaftlich positiven Entwicklung seit Jahresmitte 2010 erwartet der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung eine weitere wirtschaftliche Belebung bei leicht steigenden zusätzlichen privaten Konsumausgaben. Zur positiven Entwicklung der inländischen Nachfrage werde dabei nicht zuletzt der weitere Beschäftigungsaufbau beitragen. 
 
Für die Spirituosenindustrie als Branche mit hochwertigem, traditionellem, kulturellem und genussorientiertem  Angebot ist die Verbraucherstimmung und ihre Nachfrage von besonderem Stellenwert: Die Hersteller und Importeure von Spirituosen begrüßen, dass sich Spirituosen im Segment der alkoholhaltigen Getränke stabil behaupten, denn: In einer Zeit immer individueller werdender Verbraucherwünsche stellen sich die Hersteller und Importeure von Spirituosen auf die Bedürfnisse der Konsumenten ein. Qualitätsbewusstsein, die Bereitschaft zu weiteren Investitionen sowie auch eine umfassende Markenpflege werden auch in Zukunft die Garanten für unternehmerischen Erfolg bleiben. Voraussetzung hierfür sind umfassende Informationen, hochqualifiziertes Management und  schließlich eine an den sich verändernden Rahmenbedingungen ausgerichtete Unternehmenspolitik. 
 
Im Zusammenhang mit der derzeit diskutierten „Nationalen Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik 2011“, die insbesondere präventive, aber auch strukturelle Maßnahmen bezüglich des missbräuchlichen Konsums alkoholhaltiger Getränke beinhaltet, hält die BSI-Geschäftsführerin Angelika Wiesgen-Pick fest: „Der BSI übernimmt in diesem Zusammenhang aktiv Verantwortung für den verantwortungsvollen Konsum mit alkoholhaltigen Getränken“. Der „Arbeitskreis Alkohol und Verantwortung“ des BSI hat in den letzten Jahren eigene Präventions- und Aufklärungsinitiativen umgesetzt,  um den verantwortungsvollen Umgang mit alkoholhaltigen Getränken zu fördern, deren Evaluierungen durchweg positive Ergebnisse zeigen und daher nachhaltig fortgesetzt werden. Beispiele hierfür sind: 
 
•  Die im Jahr 2005 ins Leben gerufene Eltern-Präventionsinitiative „Klartext reden!“ (www.klartext-reden.de) – zur Unterstützung der Alkoholprävention in Familien – wendet sich mit Eltern- Workshops, Broschüren, Internetauftritt und Online-Training an die Eltern als wichtige Vorbilder. Über Workshops und Online- Training wurden derzeit rund 10.500 Eltern (Stand:  Ende April 2011) erreicht.
 

  • Die Präventionsinitiative „Schulungsinitiative Jugendschutz (SchuJu)“ (www.schu-ju.de) motiviert Mitarbeiter/innen in Gastronomie, Handel und Tankstellen für die praktische Umsetzung des Jugendschutzes. Seit Start der Initiative wurden rund 75.200 Mitarbeiter (Stand: Ende April 2011) in Gastronomie, Handel und Tankstellen registriert bzw. geschult. 
     
  • Die Broschüre „Verantwortung von Anfang an! – Leitfaden für den Verzicht auf alkoholhaltige Getränke in Schwangerschaft und Stillzeit“ richtet sich an schwangere und stillende Frauen und wird über gynäkologischen Praxen und Hebammen verteilt – bis Jahresende 2011 über 1 Million Broschüren – neben dem aktuellen Internetauftritt www.verantwortung-von-anfang-an.de
     
  • Die Präventionsbroschüre „Hinsehen, Zuhören, Ansprechen! – Alkohol am Arbeitsplatz – Ein Leitfaden für die kollegiale Hilfe“ bietet Hilfestellung am Arbeitsplatz und wird nachhaltig nachgefragt. 

Gemeinsam mit dem Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft  e. V. – ZAW – (www.zaw.de) haben die Unternehmen der Alkoholwirtschaft die vom Deutschen Werberat konsequent überwachten „Freiwilligen Verhaltensregeln über die kommerzielle Kommunikation für alkoholhaltige Getränke“ erstellt und im April 2009 umfassend aktualisiert und implementiert. 
 
Im Rahmen seiner Selbstverpflichtungen hat der BSI  folgende Maßnahmen initiiert: 
 
•  Selbstregulierung gegen „Flatrate“- oder „All-you-can-drink“-Partys,
•  Selbstregulierung bezüglich „Naming and Packaging“,
•  Selbstregulierung gegen Präsentation von Models in  der Werbung,
die jünger als 25 Jahre sind,
•  Selbstregulierung bezüglich „Responsible Drinking Message“ und
•  Selbstregulierung bezüglich 70/30-Regel bei der Werbung. 
 
Seit April 2009 hat der BSI die Verbraucherwebsite  „www.massvoll- geniessen.de“ hinterlegt, auf der die Konsument/innen alle relevanten Informationen zu Vorteilen und Gefahren des Konsums von alkoholhaltigen Getränken finden, um als mündige Bürger/innen eine eigenverantwortliche Entscheidung zu treffen und verantwortungsvoll mit alkoholhaltigen Getränken umgehen zu können. Der BSI hat zeitgleich die Wort-Bild-Marke „Massvoll-geniessen.de“ als deutsche „Responsible Drinking Message“ verankert. Diese wird von einer Vielzahl der Mitgliedsfirmen in der Werbung präsentiert (rund 70 Prozent).
 
Der BSI begrüßt auch die Information der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) vom Januar 2011 dahingehend, dass die Zahl der Jugendlichen und junger Erwachsenen, die regelmäßig Alkohol trinken, in 2010 auf ein Allzeit-Tief gesunken ist. Er möchte mit den vorgenannten Präventionsmaßnahmen des „Arbeitskreises Alkohol und Verantwortung“ auch weiterhin seinen diesbezüglichen Beitrag leisten.
 
Alle Maßnahmen zur Prävention und Selbstregulierung sind dabei auch Teil eines europaweit angelegten Konzepts der Hersteller und Importeure von Spirituosen.  

In unseren Lebenskreisen sind alkoholhaltige Getränke und Spirituosen von Alters her unverzichtbare Elemente einer gelebten Genuss- und Traditionskultur. Der BSI will diese Kultur – in einer auf Selbstbestimmung aufbauenden Gesellschaft – mitpflegen und unterstützen: Genuss, aber auch Eigenverantwortung  gehören dabei zusammen.
(Quelle: Pressemitteilung BSI,  Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und - Importeure e. V.)