DHS fordert Maßnahmen zur wirksamen Regulierung

Public Relation der Suchtgüterindustrie - Zwischen Schein und Desinformation

Glücksspielen sowie Konsum von Alkohol und Tabak haben viel gemeinsam. Sie sind in Deutschland legal, können schnell süchtig machen und versprechen den Herstellern und Anbietern Höchstgewinne. Die hohe Nachfrage liegt dabei in der Natur der Sache: Angebote mit Suchtpotenzial schaffen bei denen, die einmal angefangen haben, sie zu konsumieren, eine immer stärkere und anhaltende Nachfrage. Die gesundheitlichen und sozialen Folgekosten tragen die Betroffenen und die Gesellschaft.

In Deutschland

  • sind ca. 1,8 Mio. Menschen alkoholabhängig, ca. 10 Mio. trinken riskant Alkohol. Volkswirtschaftlichen Folgekosten von 26,7 Mrd. Euro stehen 3,28 Mrd. Euro Einnahmen aus Alkoholsteuern gegenüber;
  • rauchen ca. 15,2 Mio. Menschen zwischen 18 und 64 Jahren. 100.000 bis 120.000 tabakbedingte Todesfälle gibt es in jedem Jahr. 33,6 Mrd. Euro volkswirtschaftlichen Folgekosten des Tabakkonsums stehen 14,1 Mrd. Euro Einnahmen aus Tabaksteuern gegenüber;
  • sind ca. 265.000− bis 275.000 Menschen pathologische Glücksspieler/-innen. Weitere 3,02 Mio. Menschen haben ein riskantes Spielverhalten. Im Vergleich zu anderen Suchtdiagnosen weisen pathologische Glücksspieler die höchsten Schulden auf und den niedrigsten Anteil an denjenigen, die schuldenfrei sind.
    Die meisten Menschen, die vom Glücksspiel nicht mehr loskommen, verkaufen zur Finanzierung ihrer Sucht zunächst kleinere Wertgegenstände. Dann verspielen sie Stück für Stück ihr Eigentum bis hin zum eigenen Haus. Die direkten und indirekten sozialen Folgekosten zu Lasten der Solidargemeinschaft liegen mit mindestens 40 Mrd. Euro pro Jahr noch über denen, die durch gesundheitsschädigenden Tabak- und Alkoholkonsum verursacht werden. Die Einnahmen des Staates aus dem Glücksspiel beliefen sich 2012 dagegen nur auf 2,85 Mrd. Euro.

Der Umsatz der gewerblichen Geldspielautomaten stieg zwischen 2002 und 2012 um mehr als das Dreifache auf 19,2 Mrd. Euro an. Gewinnstreben ist in unserer
Gesellschaft legitim, jedoch sollte das Gut „Gesundheit“ höher als „Gewinn“ bewertet werden.

Dies wird bei anderen Produkten, die die Gesundheit gefährden können, berücksichtigt. Z.B. unterliegen verschreibungspflichtige Medikamente oder Waffen strikten Verkaufsbeschränkungen (in besonderen Verk aufsstellen) und es darf für sie nicht geworben werden. Aus Sicht der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) sind verbraucherschützende Maßnahmen erforderlich, um den überzogenen wirtschaftlichen Interessen der Hersteller und Anbieter von Tabak, Alkohol und Glücksspiel entgegenzuwirken.

Zur Sicherung ihrer Interessen verfolgen die Anbieter eine einheitliche Argumentationsstrategie, die sich durch folgende Elemente auszeichnet:

  1. Positives Framing (Einbetten in einen positiven Deutungsrahmender vermarkteten Produkte
  2. Allgemeine Public-Relations Maßnahmen (PR)
  3. Ökonomische und wettbewerbspolitische Argumente

Die Argumentationsstrategien der drei großen Branchen - Tabak, Alkohol und Glücksspiele - ähneln sich stark. Doch stellt sich die Vielzahl der vorgebrachten Argumente als nicht haltbar heraus, wenn sie mit den Befunden der Forschung konfrontiert wird:

  • Die beworbenen Produkte sind weder harmlos noch die problematischen Folgen gering.
    Zutreffend ist:
    Kurzfristiger Genuss wird mit langfristigeren Problemen erkauft. Regelmäßige Konsumenten von Suchtgütern sind wesentlich von Suchtproblemen betroffen. Um positive wirtschaftliche Ergebnisse zu erzielen, sind Anbieter auf suchtkranke Menschen, aufintensiven, schädlichen Konsum angewiesen.
  • Gewinnerzielungsabsicht und Suchtprävention widersprechen sich. Die Anbieter können diesen Konflikt nicht von innen durch Selbstverpflichtungserklärungen lösen.
    Zutreffend ist:
    Werbung dient der Gewinnung von Neukunden. Ein hoher Konsumentenanteil an Kindern und Jugendlichen ist wirtschaftlich vorteilhaft für die Suchtgüterindustrie. Heranwachsende werden in ihrer verwundbarsten Lebensphase von der Industrie angesprochen und zum Konsum der gefährlichen Produkte verleitet. Bindende staatliche Regulierungen sind unverzichtbar.
  • Regulierung kostet keine Arbeitsplätze und keine Steuergelder.
    Zutreffend ist:
    In der Nettobetrachtung führt ein Marktrückgang im Bereich der Suchtgüter zu keinen Arbeitsplatzverlusten. Das Geld wird an anderer Stelle ausgegeben, so dass dort Arbeitsplätze entstehen. Sinkenden Steuereinnahmen bei einer Begrenzung der Suchtgüterindustrie stehen ungleich höhere Entlastungen der öffentlichen Hand gegenüber, so dass insgesamt für den Einzelnen und den Staat eine Ersparnis zu verzeichnen ist.

Die DHS fordert daher die Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft auf, Maßnahmen zur wirksamen Regulierung der Suchtgüterindustrie einzuführen und eine konsequente Suchtpräventionsstrategie zu entwickeln, die wirkt.
(Quelle: DHS)