Nicht Gängelung, sondern Gesundheitsschutz

Ärtzekammer-Präsident fordert Einschränkung von Alkohol- und Nikotinkonsum

Für einen konsequenten Gesundheitsschutz in punkto Alkohol und Nikotin tritt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, ein. „Wir müssen die Menschen vor den gesundheitlichen Folgen des Trinkens und Rauchens schützen. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der wir uns stellen müssen. Vor den jeweiligen industriellen Lobbygruppen darf die Politik nicht einknicken. Insbesondere die Jugendlichen müssen mit umfassenden Schutzmaßnahmen von Alkohol und Tabak abgehalten werden.“ Windhorst warnt davor, Alkohol und Tabak als Genussmittel zu verharmlosen, die Suchtgefahr sei immens groß, die gesundheitlichen Schäden seien es ebenso.

Der Kammerpräsident begrüßt in diesem Zusammenhang das Vorhaben der nordrhein-westfälischen Landesregierung, nach der parlamentarischen Sommerpause ein neues und rigoroseres Nichtraucherschutzgesetz auf den Weg zu bringen. Es habe sich gezeigt, dass die bisherigen Regelungen nicht ausreichten und zu viele Ausnahmen vom Rauchverbot zuließen. „Es darf keine Schlupflöcher mehr beim Rauchverbot geben. Wir dürfen hier keine halben Sachen machen“, sagt Windhorst. „Lungenkrebs ist die häufigste Krebstodesursache in Europa, die Häufigkeit von Krebserkrankungen steigt.“ Dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg zufolge sind 13 Prozent aller Todesfälle auf das Rauchen zurückzuführen.

Auch der Zugang zu Alkohol und Tabak muss nach Ansicht Windhorsts eingeschränkt werden. „Wenn wir Gesundheitsfürsorge ernst nehmen, müssen wir auch über einschneidende Maßnahmen reden.“ Die Bilder von Trinkorgien auf öffentlichen Plätzen will Windhorst aus der Öffentlichkeit verbannen. „Was sich Heranwachsende mit dem so genannten Komasaufen antun, ist gesundheitlicher Wahnsinn. Dem müssen wir einen Riegel vorschieben.“ Die Zahl der Jugendlichen, die wegen Alkoholmissbrauchs in Kliniken kommen, hat sich in Deutschland nach Angabe des Statistischen Bundesamtes seit 1990 mindestens verdoppelt. In Deutschland haben knapp zehn Millionen Menschen zwischen 18 und 65 Jahren Alkoholprobleme, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Windhorst kann sich etwa gut ein Verkaufsverbot von alkoholischen Getränken an Tankstellen vorstellen. Das aktuell diskutierte Verbot von Alkoholkonsum in öffentlichen Verkehrsmitteln sei ein richtiger Weg. „Öffentlicher Konsum und Exzess“ müssten verhindert werden. „Wir sollten auch einmal über dänische Verhältnisse nachdenken. In Dänemark erhält man Alkohol nur in speziellen Läden. Ein unkontrollierter Verkauf ist so unmöglich.“

Windhorst abschließend: „Wir wollen weder eine Regelungswut noch Gängelung, aber einen vorbeugenden Gesundheitsschutz, der umfassend genug ist, um die Gesellschaft vor den gesundheitlichen Schäden von Tabak und Alkohol zu schützen. Das sind wir der Solidargemeinschaft schuldig.“
(Quelle: Ärztekammer Westfalen-Lippe)